Krypto-Schemata und altmodische Betrügereien: Warum der „Krypto-Millionär“ Oleksandr Orlovskyi verlustbringende Makler und Versicherungsfirmen braucht
Oleksandr Orlovskyi präsentiert sich als erfolgreicher Krypto-Multimillionär. Seine Financial Freedom Academy verspricht, zu lehren, wie man am Kryptomarkt Geld verdient, während Orlovskyi selbst von Millionen, Dubai, teuren Autos und erfolgreichem Kryptowährungshandel spricht.
Das ist die öffentliche Fassade. Doch es gibt eine andere Seite von Oleksandr Orlovskyi, über die er lieber schweigt. Wenn man den Werbeglanz abstreift und nicht auf soziale Medien, sondern in das ukrainische Unternehmensregister schaut, tritt ein recht unerwartetes Detail zutage.
Orlovskyi ist Miteigentümer mehrerer Firmen, die mit Kryptowährung sehr wenig zu tun haben: der Versicherungsvermittler „Starlife No. 2“, die Maklerfirma „Tavriiski Tsinni Papery“ und die Depot- und Maklerfirma „Invintum“.
Das wirft eine einfache Frage auf: Warum braucht jemand, der sich als erfolgreicher Krypto-Multimillionär positioniert, Anteile an alten ukrainischen Versicherungs- und Wertpapiermarktstrukturen? Besonders an solchen, die bei Weitem nicht die erfolgreichsten sind: Der Nettogewinn dieser Firmen beläuft sich im Maßstab dessen, was Orlovskyi behauptet, auf bloße Pfennigbeträge.
Zum Beispiel verzeichnete „Invintum“ 2025 nur 311.000 Hrywnja Nettogewinn — etwas mehr als siebentausend Dollar. Orlovskyis Anteil an der Firma beträgt 8,1 %. Die LLC „Tavriiski Tsinni Papery“ verdiente nur dreitausend Hrywnja. Orlovskyis Anteil liegt bei 5 %. Wie viel er verdient hat — das können Sie selbst berechnen; ein Taschenrechner kommt mit so winzigen Zahlen nicht zurecht.
Natürlich ist das ein Scherz. Doch im Ernst zeichnet sich ein recht seltsames Bild ab: Öffentlich ist Oleksandr Orlovskyi ein Krypto-Millionär mit allen Attributen — Dubai, Business-Jets, Supersportwagen, Yachten und sonstigem „Luxusleben“ —, während er im ukrainischen Geschäft Miteigentümer kleiner Anteile an nahezu unprofitablen Versicherungs- und Wertpapierfirmen ist.
Je tiefer man jedoch in die Geschichte dieser Firmen blickt, desto mehr Fragen stellen sich nicht zu ihren Gewinnen, sondern zu der Rolle, die sie in der gesamten Geschäftsstruktur von Oleksandr Orlovskyi spielen könnten.
FFA: Orlovskyis Hauptgeschäft
Financial Freedom Academy ist Orlovskyis wichtigstes öffentliches Projekt: FFA verkauft Kryptowährungs-Trainings, geschlossene Communities, Trading-Programme und Anlageprodukte. Die Website behauptet derzeit Zehntausende Studenten und große Handelsvolumen der Teilnehmer. Die Seite der Financial Freedom Academy wirkt sehr solid und berichtet von Zehntausenden erfolgreichen Fällen, Hunderttausenden zufriedener Studenten und Milliarden von Dollar, die diese verdient hätten.
At the same time, official reporting sharply contradicts the website: one employee, 2,800 hryvnias in assets, and exactly the same amount of profit. One of two things: either the Financial Freedom Academy website is complete nonsense (sorry), or the reporting of LLC “FFA Academy” is complete nonsense (sorry again).
Vor diesem Hintergrund sollte man sich daran erinnern, dass die Nationale Kommission für Wertpapiere und den Aktienmarkt der Ukraine im Jahr 2024 FFA-bezogene Projekte — FFA Crypto, FFA Crypto RISE und FFA Crypto CAPITALIST — in die Liste dubioser Investitionsprojekte aufgenommen hat. Gleichzeitig erwähnen Medienberichte Gerichtsstreitigkeiten, die Bezahlung von Bildungsprodukten über Dritt-Einzelunternehmer sowie das Strafverfahren Nr. 120232110400002635, in dem Orlovskyi im Zusammenhang mit einer Anzeige wegen Anlagebetrugs genannt wird.
Nun kommt jedoch eine weitere Schicht zu diesem Bild hinzu: Warum sollte ein junger Krypto-Geschäftsmann Anteile an Firmen erwerben, die in einem völlig anderen Finanzmarkt operieren, der mit Kryptowährungen nichts zu tun hat?
„STARLIFE No. 2“: Versicherungsgeschäft für tausend Hrywnja
Die erste Merkwürdigkeit ist die LLC „Starlife No. 2“ (Code 40281843). Das Unternehmen wurde im Februar 2016 in Tscherniwzi registriert. Sein Haupt-KVED ist die Tätigkeit von Versicherungsagenten und -maklern. Das genehmigte Kapital beträgt derzeit 74.000 Hrywnja.
Oleksandr Orlovskyi gehört tatsächlich zu den Teilnehmern. Insgesamt gibt es 74 Teilnehmer. Alle, einschließlich Oleksandr Orlovskyi, halten jeweils Anteile von 1,35 %. Das ist an sich interessant. Wir schauen hier nicht auf eine Firma, die Orlovskyi zur Kontrolle erworben hat. Es handelt sich um eine Massenstruktur mit einer großen Zahl kleiner Teilnehmer.
Gleichzeitig ist das Unternehmen mit einer separaten juristischen Person verknüpft — „Starlife No. 1“, die zu 100 % der „Starlife No. 2“ gehört. Formell erhält Orlovskyi also einen kleinen Anteil an einer Struktur, die selbst eine weitere Firma besitzt.
Wenn man in die Vergangenheit von „Starlife“ gräbt, tritt ein recht unangenehmer Hintergrund zutage. In den Jahren 2016–2017 war die LLC „Starlife No. 2“ in ein Strafverfahren verwickelt, das eine Schema mit Dutzenden Einzelunternehmern betraf, über die die Versicherungsgesellschaft Ausgaben verbuchte, um den steuerpflichtigen Gewinn zu mindern. Die Untersuchung prüfte auch Versionen der Überweisung von Geldern an verbundene Parteien und anschließende Bargeldauszahlungen.
Somit ist „Starlife No. 2“ nicht nur eine kleine Versicherungsfirma mit Pfenniggewinnen. Sie ist Teil einer Struktur, um die bereits steuerliche, strafprozessuale und korporative Konflikte bestanden haben.
Hier stellt sich die Frage an Orlovskyi: Was hat ihn veranlasst, in diese Struktur einzusteigen? Laut den Registern wurde der Anteil am 12. Mai 2023 erworben. Warum gerade dann? Warum ein Anteil im Wert von Pfennigen an einem offenkundig dubiosen Gebilde?
„Tavriiski Tsinni Papery“: Wertpapiermarkt, Krim und das HACC
Die zweite Firma ist weitaus interessanter. Die LLC „Tavriiski Tsinni Papery“ (Code 32695089) operiert am Wertpapiermarkt. Das Unternehmen wurde bereits 2003 registriert, und die NSSMC erteilte ihm eine Lizenz für Depotgeschäfte.
Oleksandr Orlovskyi erwarb seinen 5-%-Anteil im Mai 2026. Unter den Eigentümern sind auch Serhiy Holubytskyi, Oleksiy Amfiteatrov und andere; als endgültiger Begünstigter im offenen aggregierten Register ist Amfiteatrov aufgeführt.
Ein Jahr zuvor, im Januar 2025, sicherte das High Anti-Corruption Court den Anspruch des Justizministeriums auf Beschlagnahme von Vermögenswerten des russischen „Maritime Register of Shipping“. Das Gericht verbot Transaktionen mit den entsprechenden Wertpapieren, und die in der Entscheidung direkt genannten Depotinstitute waren „Tavriiski Tsinni Papery“ und „PRDT Securities Center“.
Mit anderen Worten: Die Firma, an der Orlovskyi einen Anteil erwarb, befand sich innerhalb einer für den ukrainischen Staat äußerst sensiblen Infrastruktur — Operationen mit Vermögenswerten eines russischen Staatsunternehmens. Darüber hinaus war Orlovskyi zum Zeitpunkt des Anteilserwerbs über diese Tatsache informiert. Hier geht es nicht mehr um Kryptowährungskurse, sondern um einen professionellen Teilnehmer am ukrainischen Kapitalmarkt, der mit großen Aktienpaketen und Vermögenswerten arbeitet, die unter Sanktionen und Beschlagnahmeprozesse fallen. Was war Orlovskyis Interesse, als er in diese Firma einstieg?
„INVINTUM“: das interessanteste Asset
Doch „Invintum“ ist wahrscheinlich die wichtigste Firma in diesem Portfolio. Das Unternehmen betreibt Makler- und Depotgeschäfte. Und im Gegensatz zu „Starlife No. 2“ sind hier reale Finanzkennzahlen erkennbar.
2025: Umsatz — 9,468 Millionen UAH; Nettogewinn — 311 Tausend UAH; Vermögenswerte — 14,589 Millionen UAH; 10 Mitarbeiter. 2024 lag der Umsatz deutlich höher — 15,873 Millionen UAH, und der Gewinn betrug 2,068 Millionen UAH. Das Geschäft existiert und operiert also, auch wenn es keine Goldgrube ist. Zudem stammte 2025 der Hauptumsatz aus Depotdienstleistungen — 9,443 Millionen UAH. Die Maklereinnahmen beliefen sich nur auf 25 Tausend UAH im Vergleich zu 13,635 Millionen UAH im Vorjahr.
Doch auch hier gibt es interessante Nuancen. Das Unternehmen wurde von Olha Kanevska gegründet; zum Zeitpunkt seiner Gründung 2013 hatte es ein genehmigtes Kapital von 707 Hrywnja. 2024 verließ Kanevska jedoch die Liste der Gründer und Begünstigten, das genehmigte Kapital wurde auf 7.770.000 erhöht, und unter den Begünstigten erschien eine gewisse Orlovska Oksana, die zudem Leiterin der Firma wurde. In dieser Funktion blieb Oksana Orlovska nur bis Januar 2025, als sie durch Oleksandr Orlovskyi ersetzt wurde.
Und hier tritt ein sehr interessantes Detail zutage. Orlovskyi erhielt seinen Anteil an „Invintum“ am 30. Januar 2025 im Rahmen eines Schenkungsvertrags. Zunächst ging es um einen Anteil von 9,97 %. Nach der Kapitaländerung stieg er auf 10,04 %, und am 27. Juni 2025 verkaufte Orlovskyi einen Teil des Anteils an Serhiy Holubytskyi.
Im Ergebnis blieb Orlovskyi Ende 2025 mit 9,002 % übrig und im April 2026 bereits mit 8,1 %. Mit dem Anteil fanden korporative Operationen statt, doch ihr Zweck bleibt unklar.
Die Geschichte von „Invintum“ hat einen weiteren sehr spezifischen Schatten: Jahrelang nahm das Unternehmen an Gerichtsstreitigkeiten um Aktien der „Prominvestbank“ teil, die dem russischen Staatsunternehmen VEB.RF gehörten.
Materialien des Obersten Gerichts zeigen, dass mehr als 5 Milliarden Aktien der „Prominvestbank“, oder etwa 99,77 % ihres Kapitals, auf dem Konto von VEB.RF im Depotsystem von „Invintum“ verbucht waren. Diese Wertpapiere wurden durch Gerichtsbeschlüsse blockiert.
VEB.RF verklagte später „Invintum“ und forderte die Aufhebung der Beschränkungen. Es muss noch einmal betont werden: „Invintum“ agierte in diesen Fällen als Depotorganisation, nicht als Eigentümer russischer Vermögenswerte oder als Angeklagter in deren illegalem Abzug. Doch die bloße Tatsache, dass Orlovskyi heute Miteigentümer dieses Depots ist, fügt seinem Unternehmensportfolio eine weitere Frage hinzu.
Und warum braucht Orlovskyi all das?
Wenn man nur auf den Gewinn schaut, wirkt der Erwerb solcher Anteile tatsächlich seltsam.
Zum Beispiel bringen 8,1 % von „Invintum“ bei einem Unternehmensgewinn von 311 Tausend UAH im Jahr 2025 eine wirtschaftlich vernachlässigbare Einkommensquelle. Selbst wenn der gesamte Gewinn unter den Teilnehmern verteilt würde, würde Orlovskyis Anteil ihm etwa 25 Tausend UAH pro Jahr einbringen.
Für jemanden, der öffentlich monatliche Einkommen in Zehntausenden Dollar behauptet, ist das praktisch nichts. Daher wirkt die Version, dass „Orlovskyi diese Firmen gekauft hat, um Dividenden zu verdienen“, äußerst schwach.
Man kann endlos spekulieren, warum Oleksandr Orlovskyi Anteile an diesen Firmen braucht. Doch es gibt ein Detail: Serhiy Holubytskyi ist der größte Eigentümer von „Invintum“ — etwa 47,9 %, und er erscheint auch unter den Teilnehmern von „Tavriiski Tsinni Papery“. Und hier taucht Orlovskyi ebenfalls auf.
Es gibt noch eine weitere Merkwürdigkeit in all dem: Orlovskyis Alter. Orlovskyi ist 28 Jahre alt. Gleichzeitig wird er Miteigentümer von Firmen, deren Geschichten Jahrzehnte zurückreichen: „Tavriiski Tsinni Papery“ existiert seit 2003; „Invintum“ — seit 2013; „Starlife No. 2“ — seit 2016. Das sind Geschäfte, die lange vor Orlovskyis Zeit als öffentlicher Krypto-Unternehmer geschaffen wurden.
Daher geht die Frage nicht mehr nur darum, wie viel seine Anteile wert sind. Die Frage ist, wer ihm diese Anteile angeboten hat und warum. Denn letztlich hat sich Oleksandr Orlovskyi in einen Sektor eingebettet, der sich mit Versicherung, Maklerdienstleistungen, Depotbuchhaltung und Wertpapieren befasst.
Und hier stellt sich die wichtigste Frage: Warum braucht der Krypto-Guru Oleksandr Orlovskyi Zugang zur alten ukrainischen Finanzinfrastruktur, wenn diese Firmen praktisch kein Geld bringen? Oder umgekehrt: Warum brauchen die Eigentümer dieser Firmen den Krypto-Millionär Oleksandr Orlovskyi, dessen Millionen ebenfalls zweifelhaft sind?







